Die vergangenen zehn Tage habe ich eine Stellvertretung in einer 6. Klasse gegeben. Mir war klar, dass gerade solche Blogeinträge vielleicht ein wenig unter dieser Vertretung leiden würden. Doch als ich am Montag den Auftrag gelesen habe, dachte ich: Oh nein! nur nicht jetzt auch noch ein so kompliziertes und aufwendiges Themenfeld! Warum können sie uns nicht wenigstens diese Woche ein etwas einfacheres Thema vorgeben, welches man bereits am Montagnachmittag bearbeiten könnte.
Also meine Einstellung gegenüber diesem Post war wirklich durch und durch kritisch. Und ich muss gestehen, viele Gedanken habe ich auch nicht daran verwendet. Nur war mir immer klar, dass ich am Donnerstagabend über irgendetwas schreiben musste. Erstaunlich finde ich aber, dass mich der Auftrag doch immer wieder in kleinen Sequenzen in meinem Schulalltag begleitet hat.
Im interkonfessionellen Unterricht habe ich mich mit den philosophischen Grundfragen beschäftigt. Es ging darum, in einer Art Rundlauf, verschiedene Fragen über das Leben und sich selber zu beantworten. Die Kinder haben dazu grosse Plakate gestaltet, auf welchen sie versuchten diese Fragen zu beantworten. Eine der Fragen lautete: „Wie unterscheiden sich die Menschen von den Tieren?“
Aus dieser Frage hat sich dann bei der Präsentation eine rege Diskussion entwickelt. Einige Kinder haben aufnotiert, dass der Unterschied seie, dass Tiere kein CO2 produzieren. Andere haben dann wiederum von den Kühen und ihrem Methanausstoss gesprochen, um das Argument zu vernichten. So habe ich bemerkt, wie wach die Schülerinnen und Schüler durch ihr Leben gehen und wie sehr sie die aktuellen Geschehnisse beobachten. Eigentlich hätte ich nicht erwartet, dass aus so einer Frage eine solche Quelle spriessen würde, und ich war wirklich sehr positiv überrascht über das Engagement, und die Gedanken, die sich die Kinder machen. Auch zeigte es mir wieder einmal auf, wie viel wir in unserem Beruf an Verantwortung übernehmen können und wie sehr wir die Kinder auch auf solche Probleme aufmerksam machen können.
Am gleichen Tag bin ich dann, um mein Mittagessen einzukaufen in die Migros gegangen. Diese befindet sich gerade einmal 4 Gehminuten von der Schule entfernt. Und dort habe ich bei der Kasse einen Lehrer aus dem Team getroffen. Er fragt mich: „ Hey Rafaela, willst du mit mir mitfahren?“
Bei dieser Frage hat es mich fast verputzt, dass kann doch nicht sein, dass man so eine kurze Strecke mit dem Auto zurück legt? Ich habe ihn dann daran aufgezogen und ihn ein bisschen belächelt. Er meinte nur, dass er dass Auto eben neu hätte und daher immer alle Strecken am liebsten per Auto mache. Ich fragte ihn dann, wie lange er es denn schon habe und er sagte, etwa zwei Monate. Also hat sich doch er Reiz des neuen schon etwas gelegt, oder?
Auf jeden Fall fühlte er sich schon etwas peinlich berührt. Am nächsten Mittag haben wir uns wieder getroffen und er hat mir gesagt, er habe dann dieses Mal das Auto stehen gelassen und sei zu Fuss in die Migros gelaufen.
Und als kleiner Hinweis, dieser junge Lehrer ist gerade einmal zwei Jahre von der PHR ausgetreten. Da sieht man wie nachhaltig dieses Nachhaltigkeitsmodul ist.
Freitag, 13. März 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
Liebe Rafaela,
dien Post zu lesen war sehr spannend. Es ist doch immer wieder faszinierend, wie wach Schüler und Schülerinnen sind. Dies ist mir auch in meinem Diplompraktikum aufgefallen. Besonders bei einer Schülerin, welche bei jedem Gespräch sehr aufmerksam zuhörte und über alles informiert sein wollte, acuh wenn es gar nichts mit ihr zu tun hatte.
Nur kurz noch zu diesem jungen Lehrer, auch ich habe mich schon Mal erwischt eine kurz Strecke mit dem Auto gefahren zu sein, obwohl es zu Fuss genau so leicht gegangen wäre. Ich glaube die geht allen mal so. Aber momentan, da wir uns jede Woche mit Nachhaltigkeit beschäftigen, überlegt man sich solche Dinge zwei Mal. Wie wird es aber bei uns aussehen, wenn wir dieses Modul hinter uns gebracht haben. Vergessen wir alles wieder oder schaffen wir es, einige veränderte Verhaltensweisen zu behalten?
Daniela Vetsch LG06De
Kommentar veröffentlichen