Montag, 2. März 2009

Billige Aldi Ananas?

Heute Morgen nach den vier Stunden Nachhaltigkeitsmodul bin ich, ganz unnachhaltig, in den Aldi geflitzt um einzukaufen für meine Mama. Die hat morgen Geburtstag und ich will ihr ein feines Früchtebuffet bereitstellen. Leider sind dann vor allem die exotischen Früchte, wie Ananas, Mangos und Kiwis gefragt und der gute alte schweizer Apfel rückt bei so einem Event dann in den Hintergrund.

Bildquelle: http://suisse.aldi.com/ch/html/product_range/2744_11489_DEU_HTML.htm

Ich beginne mal bei mir als Konsument, ich habe die frische Ananas soeben in die Früchteschale gelegt. Sie muss dort noch ein bisschen reifen bis ich sie morgen auf die Schlachtbank gebracht wird. Im Geschäft hat sie die Kassiererin über das Förderband und die Scanninganlage geschoben. Noch weiter zurück hat sie eine andere Verkäuferin in das Gestell gelegt. Ich würde mal schätzen dass sie auch von mindestens einem anderen Kunden betrachtet worden ist. In den Aldi Laden im Altenrhein ist sie mit einem grossen Lastwagen und ganz vielen anderen Früchten gekommen. Dieser Lastwagen wurde von der Hauptzentrale aus beladen. Diese liegt in Emrach, Zürich.
Dort hin gekommen ist sie wahrscheindliche per Schiff oder Flug aus Costa Rica. Wie genau sie hierhergekommen ist, ist auch auf der Website nicht geschrieben.
In Costa Rica wurde sie vor einigen Tagen gepflückt von einem Feldarbeiter oder einer Feldarbeiterin. Über die steht im Internet, dass sie oft unter sehr schlimmen Konditionen arbeiten müssen. Bis zu zwölf Stunden am Tag sind sie auf den Beinen, haben keine Möglichkeit auf die Toilette zu gehen und müssen sogar ihr Mittagessen auf dem Feld einnehmen. Und das alles für einen Lohn von gerade mal 0.75 Euro pro Stunde. Auch werden die Sozialabgaben umgangen, indem die Arbeiterinnen und Arbeiter einfach nur für zwei Monate angestellt werden, und danach wieder entlassen werden, um anschliessend bei einer anderen Firma wieder anzufangen.
Dort sind wir nun am Ende meiner Ananasreise. Allerdings noch nicht ganz, denn die Familien der Plantagenarbeiter sind natürlich ebenfalls noch in diesen ganzen Handelszyklus miteinbezogen. Sie leben von dem mikrigen Lohn, den ihnen die Handelskette bezahlt und sind somit auch die Leidtragenden bei diesem Geschäft. Allerdings nicht die einzigen, denn auch die Natur muss dieser Belastung standhalten. Es wird immer mehr Ananasfelder geben, denn der Konsum ist, vor allem hier in Europa, stetig am steigen. Durch dieses Ausweiten sind dann ganze Dörfer zum Umzug gezwungen.
Wenn ich jetzt meine Ananas anschaue, dann frage ich mich ob das wohl wirklich ein"guter" Kauf gewesen ist?!
Billig für mich, teuer für die Umwelt.

5 Kommentare:

selina hat gesagt…

Deine Ehrlichkeit ist immer wieder bemerkenswert. Deine Beschreibungen sind völlig realistisch und du nimmst kein Blatt vor den Mund. Da sitz ich nun mit diesen inneren Bildern und trotzdem scheint es mir völlig klar, dass bei dem Geburtstag deiner Mama keine schweizer Äpfel auf dem Dessertbuffet landen dürfen.

Zum Glück gibt es schon so viele fairtrade-Angebote von exotischen Früchten. Kostet zwar ein bisschen mehr, aber das Horrorszenario ist aus dem Kopf verbannt.

S. Schädler, LG 06 D/e

Julia0 hat gesagt…

Liebe Rafaela

Mir ist es heute Mittag ähnlich ergangen. Ich ass einen Fruchtsalat mit Banane, Apfel, Kiwi und Erdbeeren. Weil ich sehr oft und sehr gerne Früchte esse, möchte ich auch Abwechslung haben und kaufe deshalb nicht immer nur Äpfel und Birnen aus der Schweiz. Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich überhaupt noch Kiwis, Ananas, Mangos und Co. kaufen soll. Klar ist der ganze Weg, den eine Ananas beispielsweise zurücklegt sehr lang und verschmutzt die Umwelt. Andererseits sind die Bauern in Costa Rica vom Anbau und Verkauf der Ananas abhängig. Es bleibt deshalb immer die Frage: Kaufen oder nicht kaufen?

Liebe Grüsse
Julia

Nadine hat gesagt…

Hoi Rafaela

In letzter Zeit esse ich sehr viel und gerne Orangen. Als ich mir überlegt habe worüber ich schreiben könnte, habe ich auch an die Orangen gedacht. Der Weg wäre wohl der gleiche oder ein ähnlicher gewesen. Da hat man das Gefühl man mache etwas Gutes und ernähre sich gesund und dabei muss man bedenken, welche Umstände es erst ermöglichten, das diese exotische Frucht zu uns gelangte. Selina's Vorschlag mit den fairtrade-Angeboten finde ich eine gute Variante. Auch wenn diese den ganzen Weg trotzdem gehen und dabei die Umwelt "verpesten". Sollen wir nun aufgrund all dieser Punkte, die gegen exotischen Früchte sprechen darauf verzichten??? Ich bin gerade etwas ratlos...

Flavia hat gesagt…

Hoi Rafaela

Es ist doch eigentlich unglaublich, wie schnell man bei alltäglichen Sachen bei genauerem Hinschauen auf Probleme und auch Gewissenskonflikte stösst. Was ich jedoch paradox finde, ist dass immer mehr verschiedene exotische Früchte im Laden angeboten werden, obwohl sich, die für die Auswahl verantwortlichen, Personen den Thematiken der Umweltverschmutzung und ungerechten Löhnen bewusst sind. Solange die exotische Früchte im Laden angeboten werden, werden diese gekauft und solange die Früchte gekauft werden, werden diese immer wieder bestellt. Denn ehrlich gesagt, würde ich keine Papaya kaufen, sähe ich diese jeweils nicht im Laden...

So ergibt sich ein nimmerendender Kreislauf, der irgendwann durchbrochen werden muss.

Nina hat gesagt…

Ich habe mich mit einem änhnlichen Thema befasst- der Banane. Auch ich hatte dieselben Gewissensbisse und Überlegungen über den Handel und die Plantagenarbeiter. Ich persölich kaufe nur Max Havelar Tropenfrüchte. Bin mir aber bewusst, dass damit das Problem noch nicht gelöst ist.

Zu ALDI- klar ist ALDI billig, ich persönlich werde aber nie im Aldi einkaufen gehen, da ich von Batteriebetrieben und schlimmen Züchtugen von Tieren gehört habe. Auch bei den Früchten und Gemüsen sparen sie alles was sie können und darunter leiden schulssendlich die Billigarbeiter.